Überlinger See: Der stille Nordwestarm des Bodensees
Der Überlinger See ist nicht der Bodensee im Ganzen, sondern sein schmaler Nordwestarm. Rund 20 Kilometer lang, selten mehr als zwei Kilometer breit, eingefasst von Steilufern, Streuobst und Rebhängen. Wer vom Dampfersteg aus schaut, sieht an klaren Tagen die Alpenkette über dem Wasser stehen, und wenn die Wolken aufreißen, reicht der Blick bis zum Säntis. Ein Ort für Leute, die kühles Wasser, steile Wege und Weite mögen. Die Schiffe Richtung Meersburg legen hier im Halbstundentakt ab, sobald die Saison läuft.
Wo genau der Überlinger See und die Stadt Überlingen liegen
Die Stadt Überlingen liegt am Nordufer, im Bodenseekreis, Baden-Württemberg, Deutschland. Von Konstanz sind es knapp 25 Straßenkilometer, von Friedrichshafen rund 35. Die Lage ist der halbe Reiz: Der Überlinger See zieht sich von Bodman im Westen bis zur Linie Wallhausen gegenüber der Bucht von Meersburg, wo er in den Konstanzer Trichter übergeht. Im Norden steigt das Ufer bei Sipplingen steil an, im Süden liegt der Bodanrück als bewaldete Gegenküste. Überlingen zählt rund 22.800 Einwohner und ist damit die größte Gemeinde in diesem Teil der Region. Wer mit dem Zug kommt, steigt an einem der beiden Bahnhöfe aus, die Bodenseegürtelbahn folgt dem Ufer fast durchgehend. Die Suche nach einem Parkplatz am Überlinger Ufer dauert an Sommerwochenenden länger als die Anfahrt.
Ist der Bodensee ein natürlicher See? Entstehung und Tiefe
Ja. Der Bodensee ist ein natürlicher See, kein Stausee. Der Rheingletscher hat das Becken während der Eiszeiten ausgeschürft, nach dem Rückzug des Eises füllte sich die Wanne mit Schmelzwasser. Nichts daran ist aufgestaut. Der Pegel schwankt im Jahresverlauf um etwa zwei Meter, Hochstand meist im Juni, Niedrigstand im Februar.
Die Größe beeindruckt: 536 Quadratkilometer Fläche, 395 Meter über dem Meer, bis zu 251 Meter Tiefe zwischen Fischbach und Uttwil. Damit ist er der tiefste See in Deutschland. Vor Überlingen misst man weniger, aber eine Größe von bis zu 147 Metern bleibt respektabel. Dieser tiefste Punkt des Überlinger Sees liegt zwischen Sipplingen und dem gegenüberliegenden Bodanrück. Genau dort entnimmt die Bodensee-Wasserversorgung aus rund 60 Metern Tiefe Trinkwasser für Millionen Menschen in Baden-Württemberg. Der Überlinger See ist kalt, klar und nährstoffarm. Auch im August liegt das Wasser unterhalb der Sprungschicht bei wenigen Grad, was jeder Taucher spätestens in zehn Metern Tiefe spürt.
Die Stadt Überlingen: Altstadt, Stadtkern und Ortsteile
Der Stadtkern hat den Charme einer alten Reichsstadt behalten. Das Münster St. Nikolaus mit dem Schnegg, die Stadtmauer, der trockene Graben mit dem Dammwildgehege, die Seepromenade mit ihren alten Platanen. Die Altstadt lässt sich in einer Stunde durchqueren, in drei Stunden ist man noch nicht fertig mit ihr. Das Gelände der Landesgartenschau von 2021 hat die Uferzone zwischen West- und Ostbucht neu geordnet, der Uferpark ist seither frei zugänglich.
Zur Stadt gehören neben dem Kern acht Ortschaften mit eigener Ortsverwaltung: Andelshofen, Bambergen, Bonndorf, Deisendorf, Hödingen, Lippertsreute, Nesselwangen und Nußdorf. Dazu kommen Stadtteile wie Goldbach mit seiner karolingischen Wandmalerei und Aufkirch mit dem alten Friedhof. Die meisten liegen oberhalb des Sees im Hinterland, zwischen Obstplantagen und Molassehügeln, 100 bis 200 Höhenmeter über dem Wasser.
Mit Schiff und Fähre nach Meersburg
Von der Überlinger Promenade fährt die Weiße Flotte quer über den See. Die Kursschiffe brauchen von Überlingen nach Meersburg gut eine Stunde, mit Zwischenhalten in Unteruhldingen und Mainau. Meersburg selbst ist die bekannteste Ansicht der ganzen Umgebung: die Steigstraße, das Alte Schloss über dem Hang, das barocke Neue Schloss von Balthasar Neumann, darunter die Rebterrassen des Staatsweinguts. Wer vom Überlinger Ufer hinüberblickt, erkennt die Meersburger Oberstadt bei guter Sicht mit bloßem Auge.
Die Autofähre verkehrt nicht ab Überlingen, sondern zwischen Konstanz-Staad und Meersburg. Sie läuft rund um die Uhr, die Überfahrt dauert etwa 15 Minuten über gut vier Kilometer, die Kosten liegen für einen Pkw bei gut zehn Euro, für Fußgänger im niedrigen einstelligen Bereich. Radfahrer nutzen diese Fähre als Verbindungsstück, wenn sie den Bodensee-Radweg abkürzen wollen. Von Meersburg aus geht es dann am Nordufer zurück. Alles in allem ergibt das eine Tagesrunde, die man ohne Hetze schafft. Im Winter ist Meersburg deutlich leerer, die Meersburger Weinstuben haben trotzdem offen.
Bild, Licht und Wolken: Fotografieren am Überlinger See
Das beste Licht liegt morgens auf dem Südufer und abends auf der Überlinger Seite. Ein Bild vom Steilufer bei Sipplingen zeigt den See, die Wolken und die Alpen in einer Ebene, dafür braucht es Föhnlage und Wind aus Süd. Nebel im November drückt den See auf ein paar hundert Meter Sichtweite zusammen, auch das gibt ein Bild. Wer solche Fotos online stellt, prüft das Copyright fremder Aufnahmen, lädt eine ausreichend große Version hoch und schreibt einen kurzen Text zum Aufnahmeort darunter. Kommentare unter einem Bild verraten oft mehr über den Zugang zum Ufer als jede Suche in der Karte.
Wassersport, Rad und Touren rund um den Überlinger See
Segeln, Stand-up-Paddling, Kitesurfen bei Westwind, dazu Tauchgänge an den Steilwänden vor Bodman: der Wassersport bestimmt den Sommer. Naturliebhaber bevorzugen den Uferweg nach Sipplingen, drei Stunden über Treppen und Felsbänder, mit Blick auf den ganzen Überlinger See. Für Radtouren eignet sich die Hochebene bei Lippertsreute besser als das volle Ufer. Wer ein kleines Abenteuer sucht, nimmt das Rad aufs Schiff und steigt dort aus, wo die Natur dichter wird als die Promenade.
