Obersee am Bodensee: Der große Teil zwischen Bregenz, Konstanz und Lindau
Wo liegt der Obersee am Bodensee auf der Karte?
Der Bodensee liegt am Nordrand der Alpen, auf 395 Metern über dem Meeresspiegel, und berührt drei Staaten. Im Norden und Nordwesten grenzt Baden-Württemberg und ein schmaler bayerischer Zipfel um Lindau an das Gewässer, im Osten Vorarlberg in Österreich, im Süden die Kantone St. Gallen und Thurgau in der Schweiz. Wer auf die Karte schaut, erkennt sofort die Zweiteilung: das große, bananenförmige Becken im Osten und der kleinere, zerfaserte Teil im Westen.
Das große Becken ist der Obersee. Er misst rund 473 Quadratkilometer, ist an der tiefsten Stelle zwischen Fischbach und Uttwil etwa 251 Meter tief und erstreckt sich über gut 63 Kilometer von Bregenz bis Konstanz. Der Obersee macht damit knapp neunzig Prozent der gesamten Wasserfläche aus.
| Teilsee | Fläche | Max. Tiefe | Anrainerstaaten |
|---|---|---|---|
| Obersee | ca. 473 km² | 251 m | D, A, CH |
| Untersee | ca. 63 km² | 46 m | D, CH |
Obersee, Untersee und Seerhein: die drei Teile des Bodensees
Zwischen Obersee und Untersee liegt der Seerhein, ein knapp vier Kilometer langer Flussabschnitt, der mitten durch Konstanz fließt. Der Rhein kommt als Alpenrhein bei Fußach in den Obersee, verlässt ihn bei Konstanz, durchquert den Untersee und tritt bei Stein am Rhein wieder als Fluss aus. Diese Abfolge erklärt, warum Fachleute vom Bodensee oft im Plural sprechen.
Geprägt hat die Region die Eiszeit. Der Rheingletscher hobelte das Becken aus, hinterließ Moränenwälle und ließ beim Abschmelzen den heutigen See zurück. Im Nordwesten schließt sich der Hegau an, eine Landschaft aus erloschenen Vulkankegeln, die wie Zähne aus der Ebene ragen. Der Hohentwiel bei Singen ist der bekannteste davon.
Die wichtigsten Zuflüsse sind der Alpenrhein, die Bregenzer Ach, die Argen und die Schussen. Sie bringen im Frühsommer, wenn in den Alpen der Schnee schmilzt, so viel Wasser, dass der Pegel um ein bis zwei Meter steigt. Im Februar liegt er am tiefsten. Alte Hafenmauern und Stege sind genau darauf ausgelegt.
Ist der Bodensee der größte See Deutschlands?
Jein. Mit 536 Quadratkilometern Gesamtfläche ist der Bodensee der größte See im deutschen Sprachraum, aber er gehört nicht allein zu Deutschland. Nur etwa ein Drittel der Fläche liegt auf deutscher Seite. Der größte vollständig in Deutschland liegende See ist die Müritz in Mecklenburg mit rund 117 Quadratkilometern.
Kurios: Im Obersee gibt es völkerrechtlich keine festgelegte Grenze. Deutschland, Österreich und die Schweiz haben sich nie auf einen Verlauf geeinigt, der See gilt in der Praxis als gemeinsam genutztes Gebiet. Nur im Untersee und im Konstanzer Trichter sind Linien vertraglich fixiert. Für Badegäste und Segler hat das keine Folgen, für Fischerei und Polizeizuständigkeit schon.
Wie warm ist das Wasser im Obersee aktuell?
Die Oberflächentemperatur schwankt stark über das Jahr. Grobe Orientierung für den Obersee:
- Januar bis März: 4 bis 6 Grad, Baden ist dann Sache von Hartgesottenen.
- Mai: 13 bis 17 Grad, in flachen Buchten örtlich mehr.
- Juli und August: meist 20 bis 24 Grad, in Hitzephasen auch über 25 Grad.
- Oktober: 13 bis 16 Grad, das Wasser gibt die Sommerwärme langsam ab.
Unterhalb von etwa 40 Metern bleibt es ganzjährig bei rund 4 bis 5 Grad. Der flachere Untersee erwärmt sich im Frühjahr spürbar schneller und kühlt im Herbst früher aus, Unterschiede von zwei bis drei Grad gegenüber dem Obersee sind normal. Tagesaktuelle Werte liefern die Messstellen der Anrainer, etwa in Konstanz, Friedrichshafen, Bregenz und Romanshorn. Ein Blick darauf lohnt sich vor jedem Badetag, weil ablandiger Wind warmes Oberflächenwasser binnen Stunden wegdrücken kann.
Fünf Orte am See, die den Umweg wert sind
Konstanz, die heimliche Hauptstadt der Region
Die größte Stadt am Bodensee sitzt genau am Übergang vom Obersee zum Untersee. Das Münster überragt die Altstadt, vom Turm aus reicht der Blick bei Föhn bis zu den Appenzeller Alpen. Vom Fährhafen Staad legt alle paar Minuten die Autofähre nach Meersburg ab, sie fährt rund um die Uhr. Die Grenze zur Schweizer Nachbarstadt Kreuzlingen verläuft mitten durch Wohnstraßen.
Die Mainau als Blumeninsel
Die Blumeninsel im Überlinger Teil des Sees zeigt Mammutbäume, ein Palmenhaus und ein barockes Schloss. Mandarinenbäume im Freiland sind möglich, weil das große Wasservolumen die Temperaturen dämpft. Im Frühjahr blühen über eine Million Tulpen, Narzissen und Hyazinthen.
Meersburg und sein Steilufer
Die Altburg gilt als eine der ältesten bewohnten Burgen Deutschlands. Unterstadt, Treppen, Rebhänge, darüber das Neue Schloss. Das Flair ist mediterran, die Weine vom Seeufer sind es weniger, Müller-Thurgau und Spätburgunder prägen hier die Lagen.
Lindau im bayerischen Eck
Die Inselstadt liegt im östlichen Zipfel des Obersees, verbunden durch Damm und Brücke. Löwe und Leuchtturm bewachen die Hafeneinfahrt, dahinter steht an klaren Tagen die Säntiskette. Von hier sind es nur zwanzig Minuten nach Bregenz, der Hauptstadt Vorarlbergs mit der Seebühne.
Stein am Rhein am Ausgang des Untersees
Dort, wo der Untersee endet und der Rhein wieder zum Fluss wird, liegt dieser Schweizer Ort mit bemalten Fassaden und der Burg Hohenklingen über den Dächern. Stein am Rhein erreicht man per Kursschiff ab Konstanz in knapp drei Stunden, die Strecke durch den Untersee mit Blick auf die Reichenau und den Hegau gehört zu den schönsten Fahrten der Region.
Eriskircher Ried und andere stille Ecken am Ufer
Zwischen Friedrichshafen und Langenargen liegt das größte Naturschutzgebiet am deutschen Bodenseeufer, ein Mosaik aus Streuwiesen, Auwald und Schilfgürtel. Im Mai blüht dort die Sibirische Schwertlilie flächig, im Winter rasten Tausende Wasservögel. Die Natur bekommt in dieser Ecke mehr Raum als anderswo am See, Wege sind markiert, das Betreten der Flächen außerhalb bleibt tabu.
Weitere ruhige Abschnitte finden sich am Wollmatinger Ried westlich von Konstanz, am Rheindelta bei Hard in Österreich und am Mettnau-Halbinselzipfel bei Radolfzell. Wer Schiffsverkehr und Promenaden satt hat, findet hier binnen einer Viertelstunde eine andere Welt.
Eine Tour rund um den See: Route, Zeitbedarf, Etappen
Der Bodensee-Radweg führt auf rund 260 Kilometern einmal herum, inklusive Untersee und Abstecher nach Stein am Rhein. Fünf bis sieben Tagesetappen sind üblich, die Höhenmeter bleiben überschaubar. Die klassische Richtung ist gegen den Uhrzeigersinn, weil der See dann rechts liegt und der Westwind seltener von vorn kommt.
Praktisch: Kursschiffe und Fähren lassen sich in die Route einbauen. Die Autofähre Konstanz nach Meersburg spart gut 40 Kilometer Umweg, die Verbindung Friedrichshafen nach Romanshorn kürzt den Obersee quer ab. Ein Katamaran verbindet Konstanz und Friedrichshafen in 52 Minuten.
Der Name Bodensee geht auf die alte Pfalz Bodman am westlichen Ende zurück, lateinisch hieß er Lacus Brigantinus, nach Brigantium, dem heutigen Bregenz. Beide Namen verweisen auf die Enden desselben Gewässers, das bis heute kein einheitliches Rechtsgebiet, aber eine zusammenhängende Kulturlandschaft bildet. Wer vom Hegau Richtung Osten fährt, erlebt diesen Wandel in wenigen Stunden: Vulkankegel, Schilfufer, Obstplantagen, dann die Alpen.
